Südamerika steht im Blickpunkt. Erneut schaut nach dem wunderbaren Sommer 2014 aktuell die sportinteressierte Weltöffentlichkeit nach Brasilien. Und während die einen schwitzend Höchstleistungen erbringen, ist mein Doping gutes Essen. So schaffe ich es auch, in zwei Sätzen von körperlicher Ertüchtigung zum Genuss zu kommen. Denn beim Stichwort Brasilien denke ich nicht an die Copacabana, Karneval in Rio oder den Zuckerhut, sondern an Alex Atala. Sein Restaurant D.O.M in São Paulo ist auf Platz 3 der besten lateinamerikanischen Restaurants und  auf dem 11. Platz der viel diskutierten Liste der weltbesten Restaurants.

Spannende Zutaten: Jabuticaba, Pitanga, Bacuri – und Ameisen

Seine im spannenden Kochbuch „Die neue brasilianische Küche“ dokumentierte Hochküche aber ist aufgrund der ungewöhnlichen Produkte aus dem Amazonas Gebiet zwar inspirierend, aber kaum nachkochbar. Und doch wird deutlich, welches Potential dort schlummert und dass es viel mehr als das brasilianische Nationalgericht Feijoada gibt. Diesen Bohneneintopf kennen Fussballfans spätestens als Leibgericht vieler Bundesliga-Kicker vom Zuckerhut, während die Vereinsverantwortlichen ihn als Dickmacher bei Heimweh fürchten.

Foodtrends aus Südamerika – Ceviche, wo bleibst Du?

In hiesigen kühlen Gefilden haben kulinarische Genüsse aus Brasilien, von einigen Grillrestaurants abgesehen, eher in Bars auf Cocktailkarten Einzug gefunden. Überhaupt wäre erst einmal Peru mit seiner Ceviche an der Reihe. Zumindest wird der in Limettensaft marinierte Rohfisch seit längerem als nächster großer Trend ausgerufen. Bisher noch ein Strohfeuer, aber ein Blick nach Spanien zeigt: First we take Barcelona and then maybe Berlin… 

Zutaten Chimichurri

Die Kindheit als Gourmand – das Steakhaus

Da ist die argentinische Küche viel länger präsent. Was war das damals für mich als Kind ein Erlebnis, in den aufkommenden Steakhouse-Ketten zu speisen – und das vor dem Edelfleischkult von heute. Rumpsteak aus Argentinien: Wie exotisch das klang und wie lecker das schmeckte. Dazu gab es neben Salattellern bis zum Abwinken immer dieses Tontöpfchen mit ölig-kräuterigem Inhalt.

Die Rede ist von Chimichurri. Denn das ist DIE argentinischen Grillsauce beim Asado, die besonders gerne zum Nationalgericht, dem Fleischbrocken Churrasco, gereicht wird. Auch in anderen Ländern des grillbegeisterten Lateinamerikas hat sie sich verbreitet. Auf jeden Fall gehören Kräuter (viel Petersilie) , Öl, Säure und eine gewisse Schärfe dazu.

Heute gilt DIY! Kommt die Lust auf diese Kindheitserinnerung, stelle ich gleich ein paar mehr Gläser her. Eine wunderbare Resteverwertung für zu viel eingekaufte Kräuter, von deren Anblick ich im Sommer immer verführen lasse. Hier wird schließlich so viel wie möglich verwendet!

Abfüllen Chimichurri

Rezept für Chimichurri „Kindheitserinnerung“

Zutaten

diverse Kräuter, z.B.:

  • Petersilie
  • Koriander
  • Estragon
  • Kerbel
  • Rosmarin
  • Thymian
  • getrockneter Oregano
  • Lorbeerblatt
  • Chili
  • Knoblauch
  • Rote Zwiebel
  • Rotweinessig
  • Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

Die Kräuter waschen und trocken schütteln. Petersilie und Koriander von den gröbsten Stielen befreien, bei allen anderen die Stiele sorgfältiger entfernen. Chilischote entkernen. Alle Kräuter, den Knoblauch und die Chili fein mit dem Messer hacken. Das Lorbeerblatt eventuell mit Salz im Mörser zerreiben. Die geschälte Zwiebel in feine Würfel schneiden. Mit Rotweinessig, Salz und Pfeffer abschmecken. In saubere Gläser füllen. Mit Olivenöl auffüllen, bis die Mischung bedeckt ist. Ich lasse die Mischung zwei Wochen im Kühlschrank stehen, bis sich die Farbe von frischgrün in grau-grün ändert.

Fertige Gläser Chimichurri

Wo bitteschön sind denn die grammgenauen Angaben?

Bei den Kräutern sind dem eigenen Gusto keine Grenzen gesetzt und das Rezept funktioniert auch ohne das ein oder andere Kraut. Der Essig kann durch Limettensaft und -schale ersetzt werden, Paprikapulver sorgt für eine pikante Note. Bitte abschmecken. Es gibt keine Mengenangaben, denn es kann nicht zu viel Chimichurri werden: Ein nettes Mitbringsel oder ein schönes Tauschobjekt  bei einem Food Swap. Im Kühlschrank und mit Öl bedeckt hält es auch durchaus etwas länger.

Jetzt fehlt nur noch das Steak und eine gute Pfanne oder ein heißer Grill! Viel Spaß und guten Appetit!

Fokus auf Chimichurri

Dry-aged Roastbeef vom Grill auf Karottenpüree mit Chimichurri – alle Fotos: Stefan Chmielewski