Interview mit Nicolas Leschke, ECF Farmsystems Berlin

Stellen Sie sich bitte kurz vor

Mein Name ist Nicolas Leschke. Ich bin der Verantwortliche für den Hauptstadtbarsch und deren Entwicklung. ECF berät, plant und baut Aquaponik Farmsysteme – auch für die Barschzucht.

Wie sind Sie denn darauf gekommen, eine Barschzucht mitten in Berlin aufzubauen?

Der Fisch war nicht als erstes da, sondern eigentlich ist die Firma EC Farmsystems ein Unternehmen, die sich auf die Planung von Aquaponik-Farmsysteme spezialisiert hat. Diese Systeme verbinden zwei Kreislaufsysteme und arbeiten umweltschonend und Kosten effizient. Um Interessierten solcher Systeme auch etwas Greifbares an die Hand zu geben, brauchen wir Referenz, um dann mit Mittel aus Erfahrung beraten zu können und es vor Ort auszuprobieren. Daraus entstand die Farm und somit die Barschzucht.

Begonnen haben wir auch erst mit einer Containerfarm, dann einige Erfahrungen gesammelt- und dann das System zur Marktreife gebracht- und mit Unterstützung von Investoren die große Farm gebaut.

Was haben Sie gelernt, wie sind Sie zum Fisch gekommen?

War das schon immer eine Leidenschaft? Ich hatte vorher nichts mit Fisch zu tun, ich bin ein klassischer Unternehmer, habe BWL studiert, meine Erfahrungen in England, Frankreich und Mexiko gesammelt und hab dann meine erste Firma gegründet.
Der Fisch ist die Basis und natürlich freuen wir uns über die super Entwicklung sowie die gewisse Prominenz, die unser Barsch inzwischen in Berlin erreicht hat. Daraus entwickelte sich auch der Name – wir produzieren in der Hauptstadt, daher war der Name Programm. Der Fisch an sich ist ja ein Tilapia – jedoch können wir in Deutschland mit dem Namen nicht viel anfangen – und wenn wir einen Tilapia hier kaufen, ist es in der Regel Tiefkühlware. Daher ist es für uns ein Grundbarsch aus einer nachhaltigen Produktion mit Biofutter und absolut Medikament frei.

hauptstadtbarschfarm

Wie halten Sie die Barsche?

Es stellen sich bei Untersuchungen immer die Fragen zu Stress- und Schmerzempfinden und Haltungssystemen. Der Barsch hat ein gutes Immunsystem. Dazu wächst er hier stressfrei auf. Dies erreichen wir durch die niedrige Besatzdichte, die sehr gute Wasserqualität und Biofutter, so dass wir keine Medikamente einsetzen müssen und auch nicht wollen.

Wie werden Ihre Barsche gefüttert? Worauf muss man achten?

Mehrmals über den Tag bekommen die Fische Futter, die haben eigentlich immer Hunger. Jedoch ist das Futter sehr teuer – es kostet dreimal so viel wie normales Futter. Das möchten wir natürlich auch nicht verschwenden, daher achten wir auf regelmäßige Futtergabe, jede Stunde. Aber natürlich hängt das auch von dem Wachstumsstadion des Fisches ab.

Wo sitzt Ihre Barschzucht? Gibt es mehrere Standorte?

In Berlin haben wir nur einen Standort, dann gibt es noch einen in der Schweiz. Zudem bauen wir in Brüssel und wir planen auch einen Standort in Luxemburg.

Mit wie vielen Mitarbeitern stemmen Sie das?

11 Mitarbeiter hier, aber wir haben zudem viele Subunternehmer und Partner.

Was muss ich bei der Zubereitung von Barsch beachten?

Beachten muss man nicht viel. Es gibt aber so schöne runde glatte Steine, die man in den Ofen legt und erhitzt. Parallel ein Bett aus Salz auf den Teller vorbereiten. Der Fisch wird filetiert und in Stücke geschnitten, ein bisschen Salz und Limetten darauf. Dann bekommt jeder auf seinen Teller einen heißen Stein aus dem Ofen und der Fisch wird darauf gebraten. Das ist super lecker und absolut frisch.

Verraten Sie uns eins Ihrer Lieblingsbarsch-Rezepte? Oder auch zwei?

Barsch bereite ich gern auf dem Grill als ganzen Fisch zu. Ich sitze ja an der Quelle, daher bin ich natürlich etwas verwöhnt und esse am Liebsten Filets. Dazu brauche ich nicht viel an Gewürzen außer Öl, Limetten und Salz. Fertig. Oder den ganzen Fisch auf den Grill legen – auch eine gute Variante.

bueroecf

Was ist denn im Sortiment noch bei Ihnen zu sehen?

Wir haben eine sehr flexible Anbaumethode. Aktuell haben wir Basilikum, Tomaten, Minze, Salate und Microgreens. Zudem haben wir auch einen Hofverkauf – wer selbst einmal vorbei kommen, um sich vor Ort unsere Lebensmittel aus aquaponischem Anbau der ECF FARM Berlin ansehen mag.

Jeden Freitag von 13-19Uhr ist der offizielle Abverkauf vor Ort und es gibt für Interessierte auch Besichtigungen der Aquaponik Farm.