Die Herbstzeit ist nicht nur kalendarisch eingeläutet. Unweigerlich bemerkt man es an den kürzeren Tagen, den kühleren Temperaturen und dem Laub, das nun gold-braun zu Boden fällt. Dabei mag ich diese Jahreszeit. Besonders diese Tage, an denen die Sonne noch einmal ihre Kräfte bündelt und sich aufbäumt. Dieses wunderbare Licht und das Rascheln der Blätter im Park oder im Wald. Und dann komme ich nach Hause und koche eine heiße Kürbissuppe.

Kürbis-Deko

Diskurs um den Kürbis 

Eine was? Schon wieder? Ja, genau eine Kürbissuppe. Denn ich gehöre nicht zu denjenigen, die Kürbis in der Saison genau zweimal zubereiten: Zum ersten und zum letzten Mal. Im Gegenteil: Ich finde, Kürbisse sind ein tolles Gewächs. Von einigen kann man die köstlichen, gerösteten Kerne (korrekter Kürbissamen) verzehren. Was wäre gerade die österreichische Küche ohne das tiefdunkle Kürbiskernöl? Und zu guter Letzt kann man auf vielfältige Weise das Fruchtfleisch zu leckeren Gerichten zubereiten. Nur Zierkürbisse als fragwürdige Deko und ausgehöhlte „Pumpkins“ zu Halloween brauche ich – wie übrigens ebensowenig die US-amerikanischen Halloween-Bräuche  – nicht.

Hokkaido- und Butternutkürbis 

Süsses oder Saures?

Kürbisse können auf einige Arten zubereitet werden. Dabei eignen sie sich je nach Sorte für die altbekannte Hassliebe Kürbissuppe oder für ein Püree. Auch geröstet aus dem Ofen, gefüllt oder zu Gnocchi geformt und mit Butter und Salbei (!) serviert, kommt Abwechslung ins Spiel. Es muß ja nicht gleich ein riesiger, confierter Würfel sein, wie ich ihn mal zum Dessert serviert bekam.

Das Angebot umfasst viel mehr als den am stärksten präsenten rotschaligen Allrounder Hokkaido, der wie die meisten der Beerenfrüchte in Sachen Aromatisierung so Einiges wegstecken kann: Süße, Säure, Gewürze, Schärfe. Gleichzeitig sind die Geschmäcker durchaus unterschiedlich: Der riesige Muskatkürbis schmeckt fruchtig-säuerlich, der Butternut seinem Namen entsprechend buttrig und nussig und beim Spaghetti-Kürbis geht es nach der Garung nicht nur optisch originell zu, er schmeckt auch süßlich-nussig.  Wenn Sie mal einen Patisson finden, erfreuen Sie sich am süßen, an Artischocken erinnernden Geschmack

Gorgonzola und Amerettini

Ganz einfach und doch so köstlich

Eines meiner Lieblingsrezepte mit Kürbis stammt aus dem Kochbuch „Meine Südtiroler Küche“ von Herbert Hintner. Hintner führt seit langem das mit einem Michelinstern ausgezeichnete Restaurant „Zur Rose“ in Eppan. Seine Küche zeichnet sich durch die Kombination der alpinen Deftigkeit und der südtiroler Produktwelt mit mediterranen Aromen aus. Beim folgenden Rezept zum Wohlfühlen zeigt er, wie denkbar einfach aus drei Komponenten ein einfaches, schmackhaftes und zeitloses Gericht entstehen kann.

Rezept: Kürbissuppe mit Gorgonzolacrème und Amarettini

Zutaten

600 g Kürbis, geschält, entkernt und kleingeschnitten (hier Hokkaido)
900 g Gemüsefond
80 g Zwiebeln, fein geschnitten
150 g Sahne
80 g Butter
Olivenöl
Pfeffer, Salz

50 g Gorgonzola
200 g Sahne

Amarettini, zerbröselt

Zubereitung

Im Olivenöl die Zwiebeln angehen lassen. Die Kürbisstücke hinzufügen und mit anschwitzen. Gemüsefond und Sahne dazu geben und ca. 30 Minuten köcheln lassen, bis die Kürbisstücke sehr weich sind. Während des Kochens die Gorgonzolacrème vorbereiten: Gorgonzola durch ein feines Sieb passieren und die Sahne aufschlagen. Gorgonzola vorsichtig unter die Schlagsahne heben. Am Ende der Garzeit die Kürbissuppe fein pürieren, eiskalte Butterstücke hinzufügen, mit Salz und Pfeffer abschmecken  und nochmals aufmixen. Zum Servieren die Suppe portionieren, einen Klecks Gorgonzolacrème zufügen und mit Amarettini bestreuen und mit ein paar Tropfen Olivenöl bestreuen.

Herbert Hintners Frau Margot, Sommelière des Restaurants, empfiehlt dazu einen trockenen Gewürztraminer aus Südtirol. Ich schließe mich an und wünsche

Prost und Guten Appetit!

Kürbissuppe mit Gorgonzolacrème und Amerettini im Weck-Glas