Anlässlich der Neueröffnung unserer beiden Nürnberger METRO Märkte am 1. September 2016, in dem es u.a. eine Premium Welt namens „erlesene Welten“ gibt, führen wir in den nächsten Wochen Interviews mit Fachleuten aus Nürnberg.

Das heutige Interview sprüht vor Leidenschaft, denn unser Wein- und Spirituosenfachberater Matthias Kiefer aus dem METRO Markt Nürnberg-Buch hat Wein im Blut, er ist gelernter Winzer und Sommelier. 

Stell Dich bitte kurz vor!

Ich bin 53 Jahre alt, Sternzeichen Löwe, wohne in Fürth, bin geboren und aufgewachsen an der oberen Mosel. Ich bin auf einem Weingut groß geworden, habe das dann von meinem Vater übernommen und später an meinen Bruder abgegeben. Ich besitze noch einige Weinberge, die sind aber verpachtet. Bei der METRO bin ich seit November 2012.

Du bist Winzer? Welchen Wein kann ich von dem Weingut noch trinken?

Wir haben einen Restbestand an Sekt aus 2007. Das ist das letzte Produkt, was ich selbst gemacht habe. Noch habe ich den Sekt nicht getrunken, er muss noch degogiert werden, d.h. die Hefe muss noch aus dem flaschenvergorenen Sekt entfernt werden. Ich bin gespannt, wie er ist.

Aus was für einer Rebsorte ist dein Sekt und kann ich ihn bei der METRO kaufen?

Aus der Rebsorte Elbling. Das ist die ältesten in Deutschland kultivierte Rebsorte. Sie war schon bei den Römern bekannt und wird nur noch an der Mosel, in Sachsen, in Baden, in der Schweiz und der luxemburgischen Mosel angebaut. Und nein, den Sekt kannst du bei der METRO nicht kaufen.

Was macht dir besonders Spaß an deinem Job?

Der wissenschaftliche Drang! Jedes Jahr werden neue Trauben geerntet und kommen neue Weine raus. Welche Probleme hatten die Winzer, welche Techniken wurden angewandt? Welcher aromatische Unterschied, was ist anders im Duft, in der Aromatik? Besonders spannend ist das, wenn man schon Vorjahresweine kennt, die man als Referenz nutzen kann.

Das immer wieder neue Finden von Weinen und Produkten ist toll, das bezieht sich auch auf Whisky, Rum oder Wodka. Jeden Tag habe ich mit neuen Sachen zu tun. Was ein Segen ist und meine Passion, ist auch eine Art Fluch, denn man kommt nicht zur Ruhe. Ich kann einfach nicht aufhören, mich mit Wein zu beschäftigen, auch im Urlaub. Da gehe ich mal hier und da in Weinkeller.

Hast du einen Lieblingswein oder eine Lieblingsspirituose?

Nein, eigentlich nicht, weil ich von der Profession alles probieren möchte und muss.

Was ich derzeit spannend finde? Was im Gin Bereich passiert. Da gibt es Gin mit Tonka Bohnen, der heißt auch Tonka Gin oder Friedrichs Gin aus Steinhagen.  Grundsätzlich fasziniert mich, welche Zutaten, d.h. welche Botanicals eingesetzt werden. Da gibt es Gins, die ich nicht mit Tonic trinke, sondern lieber pur genieße wie Gin Mare zum Beispiel. Der schmeckt nach Thymian und Rosmarin. So bekommt man einen besseren ersten Eindruck vom Gin. Da gilt dann fast dieselbe Regel wie bei Single Malt Whisky, der höchstens ein paar Tropfen Wasser bekommt [lach], damit Wirkung und Aroma ja nicht verfälscht werden.

Was war das Merkwürdigste, was du bisher mal gefragt worden bist von einem Kunden?

Passiert häufiger mal [lach]. „Ich habe da mal ein Wein gekauft, der ein blaues Etikett hatte, habe ich hier schon immer gekauft. Ob Rot oder Weiß, weiß ich nicht mehr. Wenn ich die Flasche sehen, erkenn ich den 100 %ig“. Ich frage dann nach einer Preisrange und dem ungefähren Geschmack. Spätestens nach einer kleinen Weinprobe kann ich dem Kunden helfen. Das klappt dann meist recht gut.

Einer der bisher spannendsten Aufgaben ist, dass sich Kunden einen Weinhumidor bauen oder einrichten wollen. Sie treten an mich heran, um ihn zu befüllen. Ich schreibe dann das Konzept dazu und bin dann auch zur Einweihung eingeladen. Voll habe ich bisher jeden Weinhumidor bekommen.

Kochst du gerne? Wenn ja, was hast du zuletzt gekocht?

Ich koche schon gerne in Gesellschaft, nehme mir aber zu wenig Zeit dafür. Wenn,dann aber richtig. Zum Beispiel Fasanenbrüstchen mit Kartoffelnocken. Ich werde bei Freunden gerne an den Kochtopf gebeten mit der Aufforderung, abzuschmecken. Fleur de Sel, etwas Paprika, je nachdem, was für ein Wein dazu getrunken wird.

Welche Kombination Wein / Spirituose und Essen findest du am besten und warum?

Was immer toll ist, ist ein gereifter Schimmelkäse und ein weißer Portwein. Das sind so Genussmomente, da kann man drin aufgehen. Ich hatte letztlich ein Sauternes und einen gereiften Käse mit Sahne-Windbeutel. Richtige Handarbeit. Die Sahne war mit ein wenig Vanille versetzt. Das hat den Sauternes richtig unterstützt. Genial! Ich liebe solche Momente.

Welche Sauternes haben wir bei der METRO?

Wir haben bei der METRO ein paar Sauternes, Chateau Yquem, Calvet Sauternes, aus Bordeaux, zum Beispiel. Sauternes kann man sehr gut lagern. Sie sollten ihn kühlen und vor dem Genuss ein wenig lüften. Ich liebe das Weingut Chateau Yquem, weil es konsequent Qualität denkt. Sie haben 2012 keinen Sauternes produziert, weil ihnen die Trauben nicht gut genug waren. Das ist wahrhaft konsequent!

 

So. Das war der erste Teil des Gesprächs mit Matthias, im zweiten Teil gehen wir auf die Frage ein, welcher Wein gut zu Dry Aged Fleisch passt und warum. Danke, Matthias für das tolle Gespräch!